Abraham und Sara – Acht Episoden und religionspädagogische Überlegungen zu Wüste, Segen und Gottes Stimme

Blogbeitrag: Horst Heller CC BY-SA 4.0 (Verwendung unter Namensnennung und gleichen Bedingungen erlaubt.)
Erzähltexte: Nadine Klimbingat und Horst Heller: CC0 (Verwendung ohne Einschränkungen erlaubt)
Fotos: Tristan Brück und Horst Heller: CC0 (Verwendung ohne Einschränkungen erlaubt)
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Dieser Blogbeitrag lädt dazu ein, die alttestamentlichen Erzählungen von Abraham und Sara zu lesen und im Religionsunterricht einzusetzen. Zeit, Umwelt, Kultur und Lebensbedingungen der Abraham-Erzählungen sind zwar fast unendlich weit von der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler entfernt. Aber vielleicht macht das einen Teil ihres Reizes aus. Kinder tauchen gerne in diese Wüstengeschichten ein. Die Erzählungen von Abraham, Sara, Ismael und Isaak sprechen auch sie an.

Dreiundzwanzig Episoden: Welche wählen wir?
Traditionell beginnen Unterrichtsreihen zu Abraham mit seinem Aufbruch aus Haran, der Verheißung des Segens, erzählen von der Trennung Abrahams von seinem Neffen Lot und enden mit der Geburt des ersehnten Stammhalters Isaak. Andere wichtige Episoden lassen sie aus. Es gibt aber gute Gründe, zur Vorbereitung des Unterrichts zunächst den gesamten Erzählzyklus zu Abraham und Sara (1 Mose 12,1-25,10) zu lesen. Er besteht aus (je nach Zählweise) bis zu 23 Einzelerzählungen, deren didaktisches Potential sehr unterschiedlich ist. Es lohnt sich, bei der Reduzierung die gesamte Geschichte im Blick zu behalten. Das hat der vorliegende Vorschlag getan. Welche Episoden des gesamten Erzählkranzes sind Teil dieser Unterrichtsreihe?

Episode 1: Die Protagonisten und ihre Lebenswelt: Abraham, Sara und die Wüste

Aus dem Erzähltext
In der Wüste ist weit und breit nur Sand zu sehen. Hier regnet es fast nie. Tagsüber ist es heiß. Die Nächte sind aber kalt und am Himmel sieht man die Sterne. Hunderte, ja Tausende von Sternen sieht man am klaren Nachthimmel. Einige Menschen kennen die Wüste gut. Sie wissen, wo die Wasserstellen sind. Immer wieder brechen sie auf und wandern zu einer neuen Futterstelle für ihre Tiere. Diese Menschen nennt man Nomaden.
Der Mann, von dem ich euch erzähle, war ein Nomade. Er hieß Abraham. Zusammen mit seiner Frau Sara lebte er in der Wüste. Er hatte viele Tiere. Ihre Dienerinnen und Diener, man nannte sie Knechte und Mägde, waren Hirten wie sie. Einer der Knechte, er hieß Elieser, war wie ein Freund für Abraham.
Es gab etwas, was Abraham und Sara sehr bedrückte. Alle hatten Töchter und Söhne, nur sie nicht. So sehr sie es sich auch wünschten, sie blieben ohne Kinder. „Wem werden einmal diese Tiere gehören, wenn wir nicht mehr leben?“, dachten Abraham und Sara oft.

Warum diese Episode wichtig ist
Um künftige Episoden zu verstehen, ist es wichtig, einige Details des Lebens in der Wüste zu kennen. Bevor die eigentliche Handlung beginnt, werden deshalb die Protagonisten und ihre Lebensumstände vorgestellt. Das sind neben Abraham auch Sara, Lot und Elieser. Sie leben in oder am Rande der Wüste. Sara, im biblischen Text nicht nur positiv gezeichnet, ist für den gesamten Erzählkranz von zentraler Bedeutung. Die Unterrichtsreihe trägt deshalb die Namen beider Erzeltern.

Episode 2: Abschied und Aufbruch. Auszug aus Haran und Ankunft in Kanaan. Die Verheißung des Segens und der Nachkommenschaft

Aus dem Erzähltext (1 Mose 12,1-8)
Eines Tages sagte Abraham zu Sara: „Ich habe die Stimme Gottes gehört.“ Sara fragte: „Was hat Gott gesagt?“ Abraham erzählte, was er gehört hatte: „‘Geht fort aus deinem Vaterland und von euren Verwandten und Freunden und zieht in ein Land, das ich euch zeigen will. Ich will euch segnen.‘“
Abraham und Sara verließen ihre Eltern und Geschwister. Sie nahmen Lot, den Sohn von Abrahams Bruder mit – zusammen mit ihren Knechten, Mägdem und den Familien, mit ihren Kamelen, Schafherden und allem, was ihnen gehörte.
Es war eine lange Reise. Schließlich kamen sie nach Kanaan. Hier lebten die Kanaanäer mit ihren Herden. Da hörte Abraham wieder die Stimme Gottes: „Hier ist es, Abraham. Dieses Land will ich deinen Nachkommen geben. Ich will euch segnen.“
Abraham errichtete einen Altar, um dort zu beten.

Warum diese Episode wichtig ist
Es erfordert Mut, seine Heimat zu verlassen. Abschiede können Traurigkeit bei denen, die gehen, und bei denen, die zurückbleiben, verursachen. Schülerinnen und Schüler haben schon unterschiedliche Aufbrüche und Neuanfänge kleinerer oder größerer Art erlebt.
Ein zentrales Motiv der Abrahams-Erzählungen wird gleich zu Beginn genannt: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“ (1 Mose 12,2). Segen bedeutet Glück und Beistand, Gottes Nähe und Begleitung auf dem Lebensweg. Für Abraham konkretisiert sich das in doppelter Weise. Es wird ihm eine neue Heimat versprochen. In dem neuen Land Kanaan, in das er zusammen mit seiner Frau und seinem Neffen aufbricht, wird es ihm gut gehen. Das Land Kanaan ist aber bereits besiedelt. Hier leben die Kanaanäer, mit denen er sich arrangieren muss.
Zum ersten Mal ist in dieser Episode auch von Nachkommen die Rede. Obwohl Abraham und Sara bisher kinderlos geblieben sind, sollen sie Erzeltern eines großes Volks werden. Das Wort Nachkommen muss in der Grundschule zunächst erklärt werden. Nachkommen sind nicht nur eigene Kinder, sondern auch Enkel, Urenkel, Ururenkel und … und … und.

Was wir beachten sollten
Wenn Gott zu Menschen spricht, dann ist das von Außenstehenden nicht hörbar. Die Stimme Gottes kommt von innen. Der Hörende ist aber überzeugt, dass es die Stimme Gottes ist. Wir wählen deshalb nicht die Formulierung „Gott sprach zu Abraham“, sondern „Abraham hörte eine Stimme“ oder „Abraham sagte zu Sara: Ich habe die Stimme Gottes gehört.“

Episode 3: Abraham weiß sich gesegnet. Er und Lot trennen sich.

Aus dem Erzähltext (1 Mose 13,1-12a)
Auch im Land der Kanaanäer lebte Abraham als Nomade, denn in der Wüste gibt es nur wenig Stellen, wo Tiere Nahrung und Wasser finden. Seine Herden waren groß geworden. Auch seinem Neffen Lot gehörten viele Schafe, Ziegen und Rinder. Da geschah es, dass Abrahams Hirten und Lots Hirten sich um die Weideplätze stritten. Am Ende griffen sie zu den Waffen. Da sagte Abraham zu Lot: „So soll es nicht sein. Es soll keinen Streit zwischen uns geben. Wir wollen Frieden halten.“ Lot fragte: „Wie stellst du dir das vor?“ „Ich weiß einen Rat“, sagte Abraham. „Wir teilen das Land in zwei Hälften. Willst du zur Linken, so bleibe ich rechts. Willst du zur Rechten – nun gut, dann bleibt mir das Linke.“ Dieser Vorschlag gefiel Lot gut. Er dachte sogleich an das Land am Fluss. Da gab es mehr Wasserstellen und Futterplätze als in den Bergen. „Gib mir das Land am Jordan“, sagte Lot, „dann wollen wir Frieden halten.“
Abraham hielt sein Wort und zog mit seinen Herden in die Berge.
Da sagte Elieser zu Abraham: „Lot hat das beste Land gewählt. In den Bergen gibt es nur wenige Wasserstellen für unsere Tiere.“ Abraham dachte daran, dass er die Stimme Gottes gehört hatte. Er antwortete: …

Es geht hier um mehr als Nuancen.
Vor einigen Jahren stand ich selbst an einer Stelle, vor der aus man zur Linken die kargen Berge Judäas und zur Rechten die fruchtbare Ebene des Jordantals sehen kann. Wenn Abraham seinem Neffen anbietet zu wählen, geht es um nicht weniger als die Wahl zwischen gutem und schlechtem Weideland. Als Familienoberhaupt hätte er selbst entscheiden können, wer wohin geht. Dennoch überlässt er Lot die Wahl. Es ist wichtig zu erarbeiten, warum er das tut.

Was an dieser Episode wichtig ist
Traditionell dient diese Episode im Unterricht als Nachweis, dass Abraham ein friedlicher Mensch gewesen sei, der lieber auf Wohlstand verzichtete als im Streit mit seinem Neffen zu leben. Die Episode wird so zu einer – nicht unproblematische – Beispielserzählung. Der Klügere gibt nämlich keineswegs immer nach. Zudem greift diese Deutung zu kurz. Abraham überlässt Lot nicht die Wahl, weil er keinen Streit mag, sondern weil er sich gesegnet weiß. Für ihn ist gesorgt. Wenn das erarbeitet ist, kann der Erzähltext fortgesetzt werden.

Aus dem Erzähltext
Abraham antwortete: „Gott hat uns in dieses Land geführt. Er hat versprochen uns zu segnen.“

Episode 4: Die Verheißung. Nachkommen wie Sand in der Wüste und Sterne am Nachthimmel

Aus dem Erzähltext (1 Mose 13,14-16; 15,1-6)
Nicht lange danach hörte Abraham wieder die Stimme Gottes: „Abraham! Sieh‘ nach Osten und Westen, nach Süden und Norden! Es ist das Land deiner Nachkommen. Sieh‘ zu Boden, sieh‘ den Sand: Kannst du die Körner zählen?“ „Nein, mein Gott“, antwortete Abraham, „das kann ich nicht.“ „Es sind zu viele, um sie zu zählen“, sprach Gott, „so viele Nachkommen werdet ihr haben. Ich will euch segnen.“
Jahre vergingen und Abraham nahm so manches Mal den Sand in die Hand und dachte an Gottes Versprechen „Habe ich Gott richtig verstanden?“, fragte er sich. „Sara und ich sind alt. Wie sollen wir noch Kinder bekommen?
Eines Nachts hörte Abraham noch einmal Gottes Stimme: „Abraham! Sieh zum Himmel hinauf! Sieh die Sterne! Kannst du sie zählen?“ „Nein, mein Gott“, antwortete Abraham, „das kann ich nicht.“ „So viele Nachkommen werdet ihr haben. Ich will euch segnen.“, sprach Gott. Abraham nickte und sagte: „Ich glaube dir, Gott.“

Warum diese Episode wichtig ist
Wieder hört Abraham die Stimme Gottes. Er und Sara werden Nachkommen haben. Sie werden Erzeltern eines großen Volkes sein.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Verheißung über den Erzählkranz Abraham und damit über diese Unterrichtsreihe hinausweist. Wenn Abraham stirbt, ist sie noch nicht erfüllt. In der Jakob- und-Esau-Erzählung wird der Segen der nächsten Generation zugesagt. Erst bei Mose wird deutlich, dass aus den Nachkommen Abrahams ein Volk geworden ist, vor dem sogar der Pharao Angst hat.

Episode 5: Der Stammhalter, der keiner sein soll: Die Geburt des Ismael

Aus dem Erzähltext (1 Mose 16)
Sara aber, Abrahams Frau, sagte zu Abraham: „Wir haben kein Kind. Wie sollen wir Nachkommen haben? Du musst Gott falsch verstanden haben, Abraham.“ Dann sagte sie: „Gehe zu Hagar, meiner ägyptischen Dienerin, sie wird dir ein Kind schenken.“ Abraham war einverstanden. Er tat, wie Sara es vorgeschlagen hatte.
Nach einigen Monaten brachte Hagar ein Kind zur Welt. Es war ein kräftiger Junge. Er wurde Ismael genannt.

Warum wir diese Episode nicht auslassen
In traditionellen Unterrichtsreihen findet sich diese Episode nicht. Doch Abrahams erstgeborener Sohn Ismael (arab.: Ismail) wird von Muslimen als Prophet und Erbauer der Kaaba verehrt, Isaak hingegen gilt den Juden als Erzvater des jüdischen Volkes.
Insofern verbirgt sich in der Geschichte der beiden Halbbrüder ein Aspekt interreligiösen Lernens. Mehr dazu im Blogbeitrag vom 18.09.2022.

Episode 6: Glaube und Zweifel. Der Besuch, der Abraham und Sara die Geburt eines Sohnes ankündigt. Isaak, der Sohn des Lachens

Aus dem Erzähltext (1 Mose 18,1-15; 21,1-8)
An einem Mittag in demselben Jahr saß Abraham im Schatten der Palme. Als er aufblickte, sah er Gäste, Wanderer, von fern kommen. Abraham rief: „Sara, Gäste kommen! Drei! Wir brauchen etwas Kühles zu trinken und etwas Gutes zu essen.
Als die Gäste gegessen hatten und sich verabschiedeten, hörte Sara im Zelt, was die Fremden zu Abraham sagten. „Nächstes Jahr um diese Zeit hat deine Frau Sara ein Kind geboren.“ Bevor Abraham etwas sagen konnte, hörten aus dem Zelt ein leises Lachen. „Warum lacht deine Frau?“, fragten sie. „Sie lacht nicht!“, antwortete Abraham. „Doch“, beharrten die Gäste. „Sie lacht.“ Dann gingen sie. Abraham sah ihnen nach und wunderte sich.
Als das Jahr vorüber war, mussten Abraham und Sara an die drei Gäste denken. Denn Sara brachte ein Kind zur Welt, es war ein Junge. Sara lachte wieder, aber diesmal vor Freude. „Wir wollen ihn Isaak nennen“, sagte Abraham, „das heißt: Sohn des Lachens.“

Warum diese Episode wichtig ist
Ein Besuch dreier Wanderer. Wer sind sie? Sind es Engel oder begegnet dem Abraham Gott selbst? Die mysteriöse Begegnung darf auch im Unterricht ihr Geheimnis bewahren. Überraschend aber ist, dass unmittelbar nach der Geburt des Ismael die Verheißung wiederholt wird. Hat Hagar hat nicht gerade einen Sohn des Abraham geboren? Es ist deshalb wichtig, an dieser Stelle herauszuarbeiten, dass Gottes Versprechen auch nach der Geburt des Ismael noch nicht erfüllt ist. Die Verheißung der Nachkommenschaft gilt beiden Erzeltern, Abraham und Sara.

Was wir beachten sollten
Dass Sara lachen muss, als sie hört, dass sie trotz ihrem Alter noch schwanger werden wird, ist verständlich. Doch wird ihr das in manchen Auslegungen als zweifelnder Unglaube angekreidet. So wird sie zur dunklen Folie gemacht, auf deren Untergrund der Glaube des Abraham umso heller leuchten soll. Doch die Lektüre des gesamten biblischen Erzählkranzes rückt das gerade. Auch Abraham lacht angesichts der wiederholten Ankündigungen eines Nachkommen (1 Mose 17,17). Glaube und Zweifel sind beiden also nicht fremd.
Am Ende dieser Episode wird Isaak, der Sohn des Lachens, geboren. Die Verheißung Gottes kommt trotz einer Melange aus Glauben und Skepsis an ihr Ziel. Schülerinnen und Schüler lernen in dieser Unterrichtsreihe, was es bedeutet, ein Leben im Vertrauen auf Gott zu leben. Der Zweifel gehört zum Glauben wie der Schatten zum Licht.

Episode 7: Die Trennung. Hagar und Ismael werden weggeschickt.

Aus dem Erzähltext (1 Mose 21,9-21)
Isaak wuchs heran und als er anfing, laufen zu lernen, machte Abraham ein großes Fest. Auch Hagar und ihr Sohn Ismael feierten mit. Später, als Sara mit Abraham allein war, sagte sie: „Schicke Hagar und Ismael fort. Denn ich will nicht, dass Ismael einmal erbt, was uns gehört.“
Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er nahm einen Schlauch mit Wasser und Brot und ging damit zu Hagar. „Nimm das, Hagar“, sagte er, „es ist für die Reise. Ich schicke dich zurück zu deinem Volk.“ Da zog Hagar allein mit Ismael durch die Wüste. Es ist gefährlich, durch die Wüste zu reisen. Aber Ismael wuchs heran und wurde ein geschickter Jäger. Er liebte diese Landschaft und lebte dort. Als er erwachsen war, heiratete er eine Frau aus Ägypten.

Warum wir diese Episode nicht auslassen
Diese Geschichte, so hart sie auch erscheint, ist wichtig im Blick auf das Ende der Reihe. Sara besteht darauf, dass Hagar und ihr Sohn Ismael die Großfamilie verlassen. Das Alte Testament folgt nun dem Leben des Isaak und seiner Kinder, doch von Ismael wird gesagt, dass auch gesegnet und Patriarch eines Volkes wird. Nur noch einmal taucht er im Erzählkranz Abraham auf. Näheres im Blogbeitrag vom 18.09.2022.

Episode 8: Ismael und Isaak. Saras und Abrahams Tod. Die Halbbrüder am Grab ihres Vaters

Aus dem Erzähltext (1 Mose 23,1-20; 25,8-9)
Als Sara starb, trauerten Abraham und Isaak um sie. Abraham suchte einen Platz für das Grab. Es war aber so, dass Abraham kein Stück Land in Kanaan gehörte. So bot Abraham einem Kanaanäer Geld für eine Grabstelle. Da wollte er Sara begraben. Der Mann aber sagte: „Nimm die Höhle, begrabe deine Tote. Ich will dafür nichts haben.“ Damals begrub man die Toten in einer Höhle und verschloss sie mit einem großen Stein. Abraham tat, was der Mann sagte. Aber nach dem Begräbnis bezahlte er doch. „So ist es Brauch“, sagte Abraham.
Es vergingen noch viele Jahre. Dann starb auch er.
Da kam Ismael, um von seinem Vater Abraham Abschied zu nehmen. Ismael und Isaak legten gemeinsam ihren toten Vater in die Höhle, in der auch Sara begraben war. Sie verschlossen das Grab mit einem großen Stein.

Warum diese Episode wichtig ist
Erst mit dieser Geschichte endet der Erzählkranz Abraham und Sara. Ismael, der als Kind von seinem Vater verstoßen worden war, kommt zur Bestattung seines Vaters und sieht auch seinen Halbbruder wieder. Am Grab ihres Vaters halten sie Frieden. Mit dieser knappen Notiz wird das interreligiöse Lernen für eine höhere Schulstufe vorbereitet. Erläuterungen im Blogbetrag vom 18.09.2022

Episoden, die kein Teil dieser Unterrichtsreihe sind

Auch wenn die Bücher der Bibel als Ganzes und als ein Stück Literatur gelesen und verstanden werden wollen, ist eine didaktische Reduktion für den Unterricht im Blick auf Altersstufe der Lernenden und die Intention der Unterrichtsreihe notwendig und erlaubt. Aus sehr unterschiedlichen Gründen werden hier – neben mehreren unbekannten – zwei bekannte Episoden ausgelassen.

Die „Bindung“ Isaaks
In der fälschlich oft als Opferung Isaaks bezeichneten Episode (1 Mose 22) muss Isaak, ein Kind, seine eigene Ermordung fürchten. Dass ein Mensch bereit ist, aufgrund eines göttlichen Befehls seinen Sohn zu töten, macht diese Erzählung zu einer didaktisch hoch problematischen Bibelgeschichte. In der Grundschule und den ersten Jahren der Sekundarstufe I hat sie nichts verloren, auch wenn sie in der muslimischen Tradition unter dem Gesichtspunkt des Gottvertrauens des Ibrahim einen hohen Stellenwert hat.
Erst in einem religionsgeschichtlichen Kontext wird sie bedeutsam, wenn sie vom Ende her gelesen wird. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs will keine Menschenopfer. Das Volk Israel erzählt sich diese Geschichte, um sich zu vergewissern, dass die Kinderopfer, die Anhänger anderer Religionen noch praktizieren, kein Teil ihrer Religion sind.

Elieser geleitet Rebekka nach Kanaan. Eine Frau für Isaak
Aus ganz anderem Grund ist auch diese Geschichte kein Teil dieser Unterrichtsreihe. Sie wird den Erzählkranz Jakob und Esau eröffnen und dient als Bindeglied zur Erzählung von Abraham und Sara.

Es gibt noch eine Reihe Episoden, von denen einige recht unbekannt sind, weil sie in fast allen Unterrichtsvorschlägen ausgelassen werden. So wird erzählt, dass sich Abraham mehrfach als Saras Bruder ausgibt, da er andernfalls um sein Leben fürchten muss. Als Zeichen des Bundes zwischen Gott und Abraham sowie seinen Nachkommen werden die männlichen Mitglieder der Familie beschnitten. Abraham befreit seinen Neffen Lot aus der Kriegsgefangenschaft und begegnet dem König Melchisedek, der – einmalig im Alten Testament – seinem Gott nur vegetarische Opfergaben bringt. Es wird weiter erzählt, dass die Stadt Sodom zerstört wird, Lot und seine Töchter aber gerettet werden. Nach Saras Tod heiratet Abraham noch einmal. Aus der Ehe mit Ketura entstammen weitere Kinder, die abgefunden werden, bevor der Patriarch stirbt. Diese Episoden zu lesen ist – wie oben geschrieben – empfehlenswert. Für die Intention der Unterrichtsreihe sind sie aber nicht von Bedeutung.

Der Beitrag versteht sich als Vorbereitungsmaterial für eine religionspädagogische digitale Fortbildung, den Relilab Impuls vom 02.09.2022. Das gesamte Unterrichtsmaterial steht auf my.relilab.org in freier Lizenz zur Verfügung.

Religionspädagogische Blogbeiträge auf www.horstheller.de
14.03.2020: „Für mich hätte er nicht sterben müssen.“ Gedanken zur Passion Jesu aus religionspädagogischer Sicht
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