„Mir ist grad nicht nach „Jauchzet, frohlocket!“ zumute. Eine Anfrage an Johann Sebastians Weihnachtsoratorium

Eine kalligrafische Interpretation von Ulrike Schölch

Im November 2021 haben die Sorgen rasant zugenommen. Sie belasten und machen das Herz schwer. „Jauchzet, frohlocket!“ will gerade gar nicht recht passen. Wie können wir in dieser pandemischen Adventszeit das Weihnachtsoratorium singen?
In der Zeit des Barock, in der Johannes Sebastian Bach komponierte, waren die Gefahren von Krankheiten und Krisen sehr präsent. Wenn das Weihnachtsoratorium in den Gottesdiensten der Stadt Leipzig dennoch erklang, war das ein gesungener Protest gegen die Depression: „Lasset das Zagen, verbannet die Klage!“

Das hat mit der Geschichte zu tun, die in den ersten drei Kantaten erzählt wird. Die Geburt Jesu ereignete sich in einer unfriedlichen und gefährlichen Zeit. Das Kind, so wird es im Evangelium des Lukas erzählt, wird in dunkler und schwerer Zeit und in Armut geboren. Die Jauchzet-Frohlocket-Kantate 1 des Weihnachtsoratorium war ein Gesang gegen die Dunkelheit. Und vielleicht ist sie es heute auch.

„Jauchzet, frohlocket!“ aus: Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, Kantate 1, La Petite Bande, Sigiswand Kuijken

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