„Wenn du ihn sehen könntest …“ Wenn Johann Sebastian Bach dirigierte.

Johann Sebastian Bach, 21.03.1685-28.07.1750

Aus Anlass des 270. Todestag des großen Johann Sebastian Bach hier die Dokumentation einer halb-dienstlichen Beurteilung des Thomaskantors durch Johann Matthias Gesner, den Rektor der Thomasschule, Er beschrieb die Probenarbeit Bachs im Jahr 1738 in einem sehr langen Halbsatz:

Wenn du ihn könntest, wie er auf alle zugleich achtet oder von dreißig oder vierzig Musizierenden diesen durch ein Kopfnicken, den nächsten durch Aufstampfen mit dem Fuß, den dritten mit drohendem Finger zu Rhythmus und Takt anhält, dem einen in hoher, dem anderen in tiefer, dem dritten in mittlere Lage seinen Ton angibt, wie er ganz allein mitten im lautesten Spiel der Musiker, obwohl er selbst den schwierigsten Part hat, doch sofort merkt, wenn irgendwo etwas nicht stimmt, wie er alles zusammenhält und überall abhilft, und wenn es irgendwo schwankt, die Sicherheit wieder herstellt, wie er den Takt in allen Gliedern fühlt, die Harmonieren alle mit scharfem Ohr prüft, allein alle Stimmen mit der einigen begrenzten Kehle hervorbringt ….

Zu Ehren des 5. Evangelisten drei Interpretationen von „Schafe können sicher weiden„, einer Arie aus seiner weltlichen Kantane „Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd“ (BWV 208) – in der Hoffnung, dass die Bearbeitungen ihm gefallen würden.

Silver Brass
Lucas & Arthur Jussen
Swingle Singers

Blogbeiträge zum Thema auf www.horstheller.de
20.11.2019: Darf der Erlöser auf der Opernbühne stehen? Warum Händels Messias in London zunächst die Gunst des Publikums nicht erhielt.
22.03.2020: „Gebt mir die Rechnung einer Wäscherei. Ich werde sie vertonen.“ Gedanken zum letzten großen Werk eines Komponisten, der auf Gottes Humor hoffte. Gioachino Rossini
12.04.2020: Der Messias und die Pandemie: Die Uraufführung von Georg Friedrich Händels Oratoriums kam zwei Krankenhäusern zugute. Wer denkt da nicht an Corona?
05.05.2020: Warum der Schöpfergott nicht mit einem Kammerorchester gepriesen werden kann. Joseph Haydn und seine Schöpfung (5/6)
07.06.2020: Ein ungleiches Liebespaar der Anike und die Gefahr des Vulkans. Händels Acis und Galatea
22.07.2020: „Wenn du ihn sehen könntest!“ Wie Johann Sebastian Bach dirigierte.
02.10.2020: Freude schöner Götterfunken. Bis 1990 verlief die innerdeutsche Grenzen genau in Takt 697 bei „diesem Kuss der ganzen Welt.“
27.11.2020: Weihnachtsoratorium, du fehlst mir! 12 Fragen an Johann Sebastian Bach Meisterwerk
17.12.2020: 250 Jahre Ludwig van Beethoven. Der Maestro hätte das digitale Format seiner Geburtstagsfeier begrüßt.
01.05.2021: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“. Wie die Ballade von der schönen Lore aus Bacharach ein Volkslied wurde.
16.05.2021: Wunderkind und Witwenzeit. Wenn der Weg zum Ruhm über viele Sorgen und Enttäuschungen führt. Gedanken am Grab von Clara Schumann
27.06.2021: „Das Lieben bringt groß Freud.“ Wir wissen viel über ein Lied, das die Tübinger Studenten sangen, aber wenig über den, dem wir es verdanken. Wer war Friedrich Silcher?
25.07.2021: Robert Schumanns „Holder, holder Frühling.“ Im Jahr 1849 gehörte Mut dazu, ein Frühlingslied zu vertonen.
29.08.2021: Felix Mendelssohn und der Prophet wie Feuer. Vor 175 Jahren wurde sein bestes Oratorium aufgeführt.
12.12.2021: Der Karneval der Tiere hat seinem Ruf runiniert. Vor 100 Jahren starb Camille Saint-Saëns, der weit mehr konnte, als Musik für Karnevalsfeiern zu schreiben.
19.12.2021: Fatto per la notte di Natale. Archangelo Corelli ist im Pantheon Rom begraben.
06.03.2022: „Innsbruck, ich muss dich lassen.“ Ein 500 Jahre altes Abschiedslied der Wandergesellen macht Karriere in der Kirche.
02.04.2022: „Wie lieblich sind deine Wohnungen!“ Ein uraltes Pilgerlied, Johannes Brahms und „Ein deutsches Requiem
09.04.2022: „Sehr da ist euer König!“ Wie Johann Sebastian Bach in seiner Johannespassion barocke Theologie mit barocker Kompostionskunst verband.
08.05.2022: „Dass man seine Weibsnatur jeden Tag von den Herren der Schöpfung vorgerückt bekommt…“ Vor 175 Jahren starb die Komponistin Fanny Hensel.