Der Fußabdruck eines Kindes, Menschen mit Bedürfnissen und ein Mann, der eine Frauenrolle spielt. Geschichte & Geschichten. (1/3)

Ein Fußabdruck eines vielleicht zweijährigen Kindes, das in römischer Zeit barfuß über Tonplatten gelaufen ist, die im Freien zum Trocknen ausgelegt waren. Wie gern wüsste ich mehr darüber. War es Sommer? War es ein Mädchen, war es ein Junge? Wie hieß es? Warum lief das Kind über die feuchten Platten? Wollte es eine Abkürzung nehmen? Hat es nur einen Fußabdruck hinterlassen? Was geschah danach? Haben die Eltern geschimpft, bekam es etwa Schläge, denn es beschädigte ja Handwerkerarbeit? In Wahrheit hätte das Kind eine Belohnung verdient gehabt, denn das Stück Terracotta befindet sich heute in einem Museum im schweizerischen Avenches, der historischen Hauptstadt der Helvetier.

Menschen haben Bedürfnisse. Sie müssen mal. Mal groß und mal klein. Wie und wo konnten sie auf einem Volksfest erleichtern? Auf diesem Toilettenbalken in Cäsarea am Mittelmeer.
Offenbar gab es keine diskreten Zwischenwände. Wieviel Zeit haben die Menschen hier verbracht? Gab es in der Antike auch Schlangen vor den Toiletten? Worüber haben die Männer geredet, die nebeneinander saßen? Frauen, fürchte ich, waren gar nicht willkommen. Hat man auf dem stillen Örtchen auch andere Geschäfte besprochen? Gab es Sklaven, die mit Wasser die Fäkalien wegspülten? Hoffentlich war genüg Wasser da, um sich auch die Hände zu waschen. Aber die Römer waren ja reinlich. Und COVID 19 gab es ja noch nicht.

Das Mosaik ist die Darstellung einer Theaterszene. Zwei Männer auf einer Theaterbühne, einer hält sich eine Frauenmaske vor das Gesicht. Er spielt eine Frauenrolle. Frauen durften nicht mitspielen. Ich fürchte sogar, dass es nicht einmal schicklich war, dass sie zusahen … Gefunden in Avenches (Schweiz)

Alltägliches wird zu Geschichte.
Geschichte lässt uns Fragen stellen.
Geschichte erzählt Geschichten.