Astrid Lindgrens Ronja: Mit Kindern Stationen eines Lebenswegs reflektieren (Station 5)

Astrid Lindgren war eine begnadete Erzählerin. In ihren Kinderbüchern sprach sie Wünsche, Fragen und Probleme von Kindern an, ohne sie zu verkitschen oder zu verniedlichen. Es gelang ihr, Kinder ernst zu nehmen, ohne eigene erwachsene Sehnsüchte in die Figuren ihrer Kinderbücher zu projizieren. Der Erfolg ihrer Bücher ist vielleicht auch dadurch zu erklären, dass sie ihre Geschichten zunächst Kindern erzählt hat, um sie erst dann aufzusschreiben.
Dieser Blog stellt Überlegungen zu Ausschnitten aus ihren Büchern an, die zusammen fünf Stationen eines kindlichen Lebenswegs abbilden. Die Ideen sind aus der Arbeit mit Kindern entstanden und können im Unterricht der Grundschule, in Kindergruppen oder in der Familie eingesetzt werden.

Was ging voraus?
Hinführung: Ein schwedisches Mädchen mit Zöpfen passt sich nicht an. Es ist Zeit an Pippis Erfinderung zu erinnern. Wer war Astrid Lindgren?
Station 1: Peter („Ich will auch Geschwister haben.“) ist wütend auf seine kleine Schwester Lena, weil die Mutter viel Zeit mit ihr verbringt.
Station 2: Pelle („Pelle zieht aus“) fühlt sich zu Unrecht beschuldigt und zieht aus – nach Herzhausen.
Station 3: Lotta („Na klar, Lotta kann Radfahren“) möchte Radfahren können wie ihre älteren Geschwister, stürzt aber bei ihrem ersten Versuch.
Station 4: Pippi Langstrumpf („Pippi geht an Bord“) und ihre Freunde nehmen Pillen, damit sie nie erwachsen werden.

Station 5: Astrid Lindgren, Ronja Räubertocher
https://www.youtube.com/watch?v=GGN28ynsvq0&t=1240 ab 20’40“, ca. 5 Minuten)

Was wird erzählt?
Ronja Räubertochter ist eines der späten Bücher der berühmten Autorin und wurde noch einmal ein Riesenerfolg. Ein kleine Episode handelt vom Tod des Glatzen-Peer, der – obgleich gut zugedeckt und mit warmer Suppe versorgt – erbärmlich friert. Räuberhauptmann Mattis und seine Frau Lovis unterhalten sich darüber.
Einige Zitate:
„Es ist das Alter“, sagte Lovis.
Mattis sah sie ängstlich an. „Aber daran stirbt er doch hoffentlich nicht?“

„Doch, das tut er“, sagte Lovis.
Da brach Mattis in Tränen aus. „Nein, scher dich zum Donnerdrummel“, schrie er. „Das erlaub ich nicht!“
Lovis schüttelte den Kopf. „Über vieles bestimmst du, Mattis, aber darüber nicht!“

Schließlich kam eine Nacht, in der alle bei ihm wachten, Mattis und Lovis und Ronja und die Räuber. Glatzen-Per lag reglos und mit geschlossenen Augen da. Mattis suchte ängstlich nach einem Lebenszeichen von ihm. Nein, ein Lebenszeichen war nicht zu entdecken, und plötzlich schrie Mattis: „Er ist tot!“
Da öffnete Glatzen-Per ein Auge und sah ihn vorwurfsvoll an. „Das bin ich ganz gewiss nicht! Glaubst du, ich hab nicht so viel Anstand, dass ich Abschied nehme, bevor ich mich davonmache?“ Dann lag er wieder lange mit geschlossenen Augen da, und alle standen schweigend um ihn herum und hörten nur seine pfeifenden Atemzüge.
„Aber jetzt“, sagte Glatzen-Per und schlug die Augen auf. „Jetzt, meine Freunde, nehm‘ ich Abschied von euch allen! Denn jetzt sterbe ich!“
Und dann starb er.

Mattis aber ging laut weinend auf und ab und schrie: „Er ist immer dagewesen! Und jetzt ist er nicht mehr da!“
Da sagte Lovis: „Mattis, du weißt, dass keiner immer da sein kann. Wir werden geboren, und wir sterben, so ist es seit eh und je. Was jammerst du da?“

Gedanken zu dieser Station des Lebenswegs
Der Tod ist ein Teil des Lebensweg. Er gehört zum Leben. Für Kinder ist es nicht schwer, dies zu erkennen. Sie stehen noch am Anfang ihres Lebenswegs, aber sie wissen, dass Ihnen Menschen vorangegangen sind. Der Dialog zwischen Ronjas Eltern ist eine Brücke zu einem unbefangenen Gespräch über das Ende des Lebens. Denn dass der mächtige Räuberhauptmann Mattis so schlecht mit dem Sterben seines Freundes umgehen kann, macht es für Kinder einfacher. Sie nehmen wahr, wie ihm der Sterbende selbst mit Humor und Ronjas Mutter Lovis mit einfühlenden Worten auf die Sprünge helfen. Das macht es leichter, unbefangen und dennoch persönlich und reflektiert über Abschiede und Trauer zu sprechen.

Weitere Infos
Religionspädagogisches Zentrum St. Ingbert: www.rpz-igb.de