Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf: Mit Kindern Stationen eines Lebenswegs reflektieren (Station 4)

Astrid Lindgren war eine begnadete Erzählerin. In ihren Kinderbüchern sprach sie Wünsche, Fragen und Probleme von Kindern an, ohne sie zu verkitschen oder zu verniedlichen. Es gelang ihr, Kinder ernst zu nehmen, ohne eigene erwachsene Sehnsüchte in die Figuren ihrer Kinderbücher zu projizieren. Der Erfolg ihrer Bücher ist vielleicht auch dadurch zu erklären, dass sie ihre Geschichten zunächst Kindern erzählt hat, um sie erst dann aufzuschreiben.
Dieser Blog stellt Überlegungen zu Ausschnitten aus ihren Büchern an, die zusammen fünf Stationen eines kindlichen Lebensweg abbilden. Die Ideen sind aus der Arbeit mit Kindern entstanden und können im Unterricht der Grundschule, in Kindergruppen oder in der Familie eingesetzt werden.

Was ging voraus?
Hinführung: Ein schwedisches Mädchen mit Zöpfen passt sich nicht an. Es ist Zeit an Pippis Erfinderung zu erinnern. Wer war Astrid Lindgren?
Station 1: Peter („Ich will auch Geschwister haben.“) ist wütend auf seine kleine Schwester Lena, weil die Mutter viel Zeit mit ihr verbringt.
Station 2: Pelle („Pelle zieht aus“) fühlt sich zu Unrecht beschuldigt und zieht aus – nach Herzhausen. https://horstheller.wordpress.com/?p=2074
Station 3: Lotta („Na klar, Lotta kann Radfahren“) möchte Radfahren können wie ihre älteren Geschwister, stürzt aber bei ihrem ersten Versuch.

Station 4: Astrid Lindgren, Pippi Langstrumpf und ihre Krummeluse-Pillen (aus Pippi geht von Bord) https://www.youtube.com/watch?v=GGN28ynsvq0&t=1240 ab 20:40, 5‘15‘‘)

Was wird erzählt?
Auf den letzten Seiten der Pippi-Trilogie entsteht in der Küche der Villa Kunterbunt ein tiefschürfender Diskurs über das Erwachsensein.

Ich will niemals groß werden“, sagt Thommy.
„Ich auch nicht“, stimmt ihm Annika zu.
„Große Menschen haben niemals etwas Lustiges. Sie haben nur einen Haufen langweilige Arbeit und komische Kleider und Hühneraugen und Kumminalsteuern“, sagt Pippi.
„Kommunalsteuern heißt das“, sagt Annika. „Und spielen können sie auch nicht.“
„Wer sagt denn, dass man erwachsen werden muss?“, fragt Pippi. „Wenn ich mich nicht irre, habe ich hier irgendwo ein paar Pillen.“

„Was für Pillen?“, will Tommy wissen.
„Krummeluse-Pillen. Ich hab sie vor langer Zeit von einem Indianerhäuptling gekriegt.“
„Und diese Pillen sollen helfen?“, fragt Annika zweifelnd.
„Natürlich“, versichert Pippi. „Aber man muss sie im Dunkeln nehmen, und dazu muss man sagen: Liebe kleine Krummelus, / niemals will ich werden gruß.

Gedanken zu dieser Station des Lebenswegs
Pippi Langstrumpf ist die älteste Figur der Astrid Lindgren und zugleich ihre bekannteste. Auch andere Episoden aus den drei Pippi-Bänden und ihren Verfilmungen für Kino und Fernsehen eignen sich bestens für tiefgründige Gespräche mit Kindern. Die Wahl fiel auf Pippis Krummeluse-Pillen. Warum?
Thematisiert Astrid Lindgren hier die uralte Sehnsucht vieler Erwachsener nach ewiger Jugend? Keineswegs. Denn Pippi und ihre Freunde sind nicht jugendlich, sie sind Kinder. Es geht der Autorin überhaupt nicht um Träume Erwachsener, sondern Gedanken, die Kinder sich machen. Gibt es Vorteile, immer Kind bleiben zu wollen? Gibt es Gründe, schnell erwachsen werden zu wollen? Kinder haben dazu differenzierte Ansichten, über die sie durchaus miteinander ins Gespräch kommen können. Auch wenn sie die Vorteile des Kindseins betonen, wissen sie doch, dass das erwachsene Leben auch auf sie wartet. Es hält Chancen und Herausforderungen bereit. Sie fürchten sich nicht.

Wie gehts weiter?
Station 5: Ronja („Ronja Räubertochter“) entdeckt, dass der Tod zum Lebensweg hinzugehört.

Weitere Infos
Religionspädagogisches Zentrum St. Ingbert: www.rpz-igb.de