Astrid Lindgrens Lotta: Mit Kindern Stationen eines Lebenswegs reflektieren (Station 3)

Astrid Lindgren war eine begnadete Erzählerin. In ihren Kinderbüchern sprach sie Wünsche, Fragen und Probleme von Kindern an, ohne sie zu verkitschen oder zu verniedlichen. Es gelang ihr, Kinder ernst zu nehmen, ohne eigene erwachsene Sehnsüchte in die Figuren ihrer Kinderbücher zu projizieren. Der Erfolg ihrer Bücher ist vielleicht auch dadurch zu erklären, dass sie ihre Geschichten zunächst Kindern erzählt hat, um sie erst dann aufzuschreiben.
Dieser Blog stellt Überlegungen zu Ausschnitten aus ihren Büchern an, die zusammen fünf Stationen eines kindlichen Lebenswegs abbilden. Die Ideen sind aus der Arbeit mit Kindern entstanden und können im Unterricht der Grundschule, in Kindergruppen oder in der Familie eingesetzt werden.

Was ging voraus?
Hinführung Ein schwedisches Mädchen mit Zöpfen passt sich nicht an. Es ist Zeit an Pippis Erfinderung zu erinnern. Wer war Astrid Lindgren?
Station 1: Peter („Ich will auch Geschwister haben.“) ist wütend auf seine kleine Schwester Lena, weil die Mutter viel Zeit mit ihr verbringt.
Station 2: Pelle („Pelle zieht aus“) fühlt sich zu Unrecht beschuldigt und zieht aus – nach Herzhausen.

Station 3: Astrid Lindgren, Na klar, Lotta kann Rad fahren (1971)
https://www.oetinger.de/buch/na-klar-lotta-kann-rad-fahren/9783789161360
oder https://www.spielkisten.de/uploads/media/Vorlesegeschichte_19_02_2016_II_3Jahre.pdf.

Was wird erzählt?
Lotta tritt wütend gegen ihr Dreirad. Ihr Vater hat gesagt, sie käme noch ein Jahr damit aus. Zum Geburtstag hat sie deshalb kein Fahrrad bekommen, obwohl sie es sich so sehr gewünscht hatte. Jonas und Mia-Maria, ihre älteren Geschwister, legen den Finger in die Wunde, und das an ihrem Geburtstag: Lotta kann ja noch gar nicht Fahrrad fahren.
Das stimmt nicht, sagt Lotta. Sie kann Rad fahren, jedenfalls „im Geheimen“. Zornig mopst sie das Fahrrad ihrer Nachbarin, schiebt es mit aller Kraft die Straße hinauf, wendet es um und saust den Berg hinunter. Die ersten Meter sind fantastisch. Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf.

Gedanken zu dieser Station des Lebenswegs
Im Geheimen kann Lotta Rad fahren. In Wahrheit kann sie es (noch) nicht, aber sie möchte es so gerne können. Mit „im Geheimen“ ist Astrid Lindgren eine geniale Metapher gelungen, mit der Kinder ihre Pläne und ihre Träume ausdrücken können. „Im Geheimen“ können Kinder Auto fahren, reisen und leben wie Erwachsene. Im Geheimen aber können sie sich auch Träume erfüllen, fliegen, sich unsichtbar machen, sich verwandeln oder in einem anderen Land leben.

Wie geht’s weiter? Die Stationen 4 und 5 des Lebenswegs
Station 4: Pippi Langstrumpf („Pippi geht an Bord“, 1949) und ihre Freunde nehmen Pillen, damit sie nie erwachsen werden. (online 31.01.2020)
Station 5: Ronja („Ronja Räubertochter“, 1982) entdeckt, dass der Tod zum Lebensweg hinzugehört.

Weitere Infos
Religionspädagogisches Zentrum St. Ingbert: www.rpz-igb.de