Astrid Lindgrens Pelle: Mit Kindern Stationen eines Lebenswegs reflektieren (Station 2)

Astrid Lindgren war eine begnadete Erzählerin. In ihren Kinderbüchern sprach sie Wünsche, Fragen und Probleme von Kindern an, ohne sie zu verkitschen oder zu verniedlichen. Es gelang ihr, Kinder ernst zu nehmen, ohne eigene erwachsene Sehnsüchte in die Figuren ihrer Kinderbücher zu projizieren. Der Erfolg ihrer Bücher ist vielleicht auch dadurch zu erklären, dass sie ihre Geschichten zunächst Kindern erzählt hat, um sie erst dann aufzuschreiben.
Dieser Blog stellt Überlegungen zu Ausschnitten aus ihren Büchern an, die zusammen fünf Stationen eines Lebenswegs abbilden. Die Ideen sind aus der Arbeit mit Kindern entstanden und können im Unterricht der Grundschule, in Kindergruppen oder in der Familie eingesetzt werden.

Was ging voraus?
Hinführung: Ein schwedisches Mädchen mit Zöpfen will sich nicht anpassen. Es ist Zeit, an Pippis Erfinderung zu erinnern.
Station 1: Peter („Ich will auch Geschwister haben.“) ist wütend auf seine kleine Schwester Lena, weil die Mutter viel Zeit mit ihr verbringt.

Station 2: Astrid Lindgren, Pelle zieht aus (1985)
https://www.oetinger.de/buch/pelle-zieht-aus/9783789141164
auch als Hörbuch: https://www.youtube.com/watch?v=LZllsr26AWM

Was wird erzählt?
Pelle ist böse. Er ist so böse, dass er beschließt, von zu Hause auszuziehen. Denn er wird beschuldigt, den Füllfederhalter seines Vaters genommen zu haben. Dies hat er tatsächlich schon häufiger gemacht, doch dieses Mal ist er unschuldig. Der Vater hat ihn einfach verlegt.
Am liebsten würde er nach Afrika gehen, auch wenn es da richtig gefährlich ist. Denn dann müssten seine Eltern um ihn trauern, wenn sie erführen, dass er von einem Löwen gefressen wurde. Doch er ist noch ein Kind. Weite Reisen sind für ihn unmöglich. Pelle muss also mit Herzhausen Vorlieb nehmen. Herzhausen ist das Toilettenhäuschen, das man über den Hof erreicht.
Wie lange hält er es dort ohne seine Eltern aus?

Gedanken zu dieser Station des Lebenswegs
Pelles Wunsch, das Haus seiner Eltern zu verlassen, hat zwei Aspekte: Einerseits ist er böse, weil er ungerecht behandelt wird. Indem er sich seinen Eltern entzieht, möchte er sie „erziehen“. Sie sollen einsehen, dass es falsch war, ihn zu beschuldigen.
Andererseits ist Pelles „Wegzug“ auch ein kindlicher Versuch, selbstständiger zu werden. Er möchte erwachsen werden, zur See fahren oder nach Afrika auswandern und dort Abenteuer bestehen. Aber in Herzhausen merkt er: Seine Träume kann er jetzt noch nicht verwirklichen, ohne seine Eltern kann er noch nicht sein. Auch emotional braucht er sie. Es ist vorbildlich, wie seine Mutter mit Pelles Dilemma umgeht und ihn in den Arm nimmt. Und Pelle merkt: Seine Eltern brauchen ihn genauso, wie er sie braucht. Deshalb kann er ihren von Herzen den schweren Fehler vergeben.

Wie gehts weiter Stationen 3 bis 5 des Lebenswegs
Station 3: Lotta („Na klar, Lotta kann Radfahren“, 1971) möchte Rad fahren können wie ihre älteren Geschwister, stürzt aber bei ihrem ersten Versuch.
Station 4: Pippi Langstrumpf („Pippi geht an Bord“, 1949) und ihre Freunde nehmen Pillen, damit sie nie erwachsen werden. (online 31.01.2020)
Station 5: Ronja („Ronja Räubertochter“, 1982) entdeckt, dass der Tod zum Lebensweg hinzugehört.

Weitere Infos
Religionspädagogisches Zentrum St. Ingbert: www.rpz-igb.de