Astrid Lindgrens Peter und Lena: Mit Kindern Stationen eines Lebenswegs reflektieren (Station 1)

Astrid Lindgren war eine begnadete Erzählerin. In ihren Kinderbüchern sprach sie Wünsche, Fragen und Probleme von Kindern an, ohne sie zu verkitschen oder zu verniedlichen. Es gelang ihr, Kinder ernst zu nehmen, ohne eigene erwachsene Sehnsüchte in die Figuren ihrer Kinderbücher zu projizieren. Der Erfolg ihrer Bücher ist vielleicht auch dadurch zu erklären, dass sie ihre Geschichten zunächst Kindern erzählt hat, um sie erst dann aufzuschreiben.
Dieser Blog stellt Überlegungen zu Ausschnitten aus ihren Büchern an, die zusammen fünf Stationen eines kindlichen Lebenswegs abbilden. Die Ideen sind aus der Arbeit mit Kindern entstanden und können im Unterricht der Grundschule, in Kindergruppen oder in der Familie eingesetzt werden.

Was ging voraus?
Hinführung: Ein schwedisches Mädchen mit Zöpfen passt sich nicht an. Es ist Zeit an Pippis Erfinderung zu erinnern. Wer war Astrid Lindgren?

Station 1: Astrid Lindgren, Ich will auch Geschwister haben, 1974
https://www.oetinger.de/buch/ich-will-auch-geschwister-haben/9783789160332

Was wird erzählt?
Peter sieht, dass sein Freund einen kleinen Bruder hat. Nun wünscht er sich auch ein Geschwisterchen. Doch als seine Schwester auf der Welt ist, ist er unglücklich. Er ist wütend auf Lena, weil die Mutter viel Zeit mit ihr verbringt. Denn sie ist ein anstrengendes Kind, das weit mehr als er selbst die Kraft seiner Mutter absorbiert. Er selbst kommt – da ist er sich sicher – zu kurz.
Um diesem Missstand abzuhelfen, beginnt er, seine Schwester zu schlagen. Doch dafür wird er getaldelt. Sein Problem wird so nicht gelöst. Da fasst er den Entschluss, sich selbst die Haare zu schneiden, sodass die Mutter sich ihm zuwenden muss. Tatsächlich reagiert sie nun. Sie nimmt ihn auf den Schoß und spricht mit ihm. Wie es ihr gelingt, Peter die Situation zu erklären und ihn zur Mitarbeit bei der Fürsorge für sein Schwesterchen zu bewegen, ist aller Ehren wert.

Gedanken zu dieser Station des Lebenswegs
Peters Problem steht am Anfang des kindlichen Lebenswegs. Er kann zunächst nicht akzeptieren, dass sich das Familienleben nicht mehr allein um ihn dreht. Einzelkinder kennen (oft) den Wunsch nach einem Geschwisterkind, mit dem sie spielen können. Sie sind traurig, dass sie keine Schwestern oder Brüder haben. Kinder, die selbst Geschwister haben, können hingegen Peters Kummer und seinen Wunsch, sein „verlorenes Paradies“ zurückzuholen, nachvollziehen. Sie sind entweder selbst älteres Geschwisterkind oder kennen die Geschwisterkonflikte aus der Perspektive des/der Jüngeren.

Wie geht’s weiter auf dem Lebensweg? Die Stationen 2 bis 5
Station 2: Pelle („Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten“) fühlt sich ungerecht behandelt und zieht nach „Herzhausen“.
Station 3: Lotta („Na klar, Lotta kann Radfahren“) möchte Rad fahren können wie ihre älteren Geschwister, stürzt aber bei ihrem ersten Versuch. (online 30.01.2020)
Station 4: Pippi Langstrumpf („Pippi geht an Bord“) und ihre Freunde nehmen Pillen, damit sie nie erwachsen werden. (online 31.01.2020)
Station 5: Ronja („Ronja Räubertochter“) entdeckt, dass der Tod zum Lebensweg hinzugehört. (online 01.02.2020)

Weitere Infos
Religionspädagogisches Zentrum St. Ingbert: www.rpz-igb.de