Silent heroes (3): Ilse und Werner Rewald und ihre mutigen Helfer

Ilse Basch, Tochter eines Tierarztes aus Berlin, muss 1935 das Gymnasium verlassen, weil sie Jüdin ist. Sie macht eine Ausbildung als Sekretärin und heiratet 20-jährig den jüdischen Innenarchitekten Werner Rewald, der nur noch als Polsterer arbeiten darf. Die Bemühungen des Ehepaars um eine Emigration scheitern.
Ilses Mutter ist bereits nach Riga verbracht worden. Zwei nach Berlin geschmuggelte Nachrichten machen ihr klar, was das grausame Ziel der Deportationen in den Osten sind. Da auch Werner und sie irgendwann „an der Reihe“ sein werden, verlassen sie am 11. Januar 1943 ihre Wohnung.
Gemeinsam können sie aber nirgends unterkommen, so müssen sie sich trennen. Werner kann bei Elli und Paul Fromm unterkommen, die selbst gefährdet sind. Ilse findet ein Quartier bei Käthe und Ursula Pickardt. Als aber die Wohnung ihrer Helferinnen durch einen Luftangriff zerstört wird, und auch ihr Mann die Wohnung der Fromms verlassen muss, findet das Ehepaar in größter Gefahr ein Versteck bei dem Berliner Bratschisten und Komponisten Hanning Schröder. Weil dieser mit der jüdischen Musikerin Cornelia Schröder-Auerbach verheiratet ist, unterliegt er quasi einem Berufsverbot. Zusätzlich sind in seinem Haus zwangsweise auch Offiziere der Wehrmacht einquartiert.
Diese Gefahr nehmen die Eheleute Schröder über ein Jahr lang bis zum Ende des Krieges in Kauf. Sie retten das Ehepaar Rewald vor der sicheren Ermordnung durch die Nationalsozialisten.
Bedingt durch die Strapazen der Verfolgung ist Werner Rewald auch nach dem Ende des Terrors gesundheitlich angeschlagen. Er stirbt 1992 in Berlin. Ilse Rewald engagiert sich jahrelang als Zeitzeugin. Sie wird mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet und stirbt 2005 in Berlin. Hanning Schröder stirbt 1987, ebenfalls in Berlin. Die internationale Gedenkstätte Yad Vashem ehrt ihn als Gerechten unter den Völkern an.

Kommentar
Das Attentat vom 20. Juli 1944 ist die bekannteste, nicht aber die einzige Aktion des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur die leider fehlgeschlagene Operation Walküre kennen. Die stillen Helden wie das Ehepaar Fromm, Käthe Pickardt und ihre Tochter Ursula sowie das Ehepaar Schröder haben ein ebenso ehrendes Andenken verdient.
Ihr Mut kann aber nichts an der geschichtlichen Wahrheit ändern, dass es in Deutschland praktisch keine Solidarität mit den Opfern angesichts ihrer Benachteiligung, Vertreibung und Vernichtung gab. Berufsverbote, Zwangsarbeit und Deportation geschahen unter den Augen und mit stillschweigender Duldung der Zivilgesellschaft.

An der Rettung von Ilse und Werner Rewald ist bemerkenswert:
– Ihre Helfer waren allesamt selbst gefährdet. Sie waren entweder jüdisch oder mit einem jüdischen Ehepartner verheiratet. Hanning Schröders Musik durfte weder veröffentlicht noch aufgeführt werden, weil er aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen war.
– Werner Rewald steht beispielhaft für diejenigen Verfolgten, die das nationalsozialistische Gewaltregime zwar überlebten, aber nach dessen Ende zeitlebens an den Folgen der Verfolgung litten.
– Ilse Rewald leistete nach ihrer Rettung einen wertvollen Beitrag gegen das Vergessen und für das Gedenken an die Opfer.

Zum Weiterlesen
Gedenkstätte Stille Helden in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Staufenbergstraße 13-14, Berlin, https://www.gedenkstaette-stille-helden.de/gedenkstaette/
Gedenkstätte Stille Helden, Widerstand gegen die Judenverfolgung 1933 bis 1945, Katalog zur Dauerausstellung. Dort finden sich auch Bilder und Dokumente.
https://www.gedenkstaette-stille-helden.de/biografien/bio/rewald-ilse/
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ilse-rewald/674912.html
https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article173395937/Holocaust-Sie-entfernten-den-Judenstern-tauchten-unter.html

Gedenkstätte Stille Helden in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin