Silent Heroes (2): Cioma Schönhaus

Fanja und Boris Schönhaus sind Unternehmer aus Berlin. Sie werden zuerst enteignet, dann deportiert und schließlich ermordet. Ihr Sohn Samson, genannt „Cioma“, kann seine Lehre als Grafiker nicht beenden, weil er zur Zwangsarbeit verpflichtet wird. Als auch er die Aufforderung erhält, sich zum Abtransport bereitzuhalten, kann er seinen Vorgesetzten dazu bewegen, sich für ihn einzusetzen. Cioma wird zurückgestellt.
Seine grafischen Fähigkeiten stellt er von nun an in den Dienst des Widerstands. Seinen ersten gefälschten Ausweis produziert er auf Bitten der Evangelischen Kirchengemeinde Dahlem. In der Folge ermöglichen seine Passfälschungen Hunderten von Verfolgten des Nazi-Regimes, mit neuer Identität und täuschend echt aussehenden Papieren zu überleben. Er arbeitet in einer illegalen Werkstatt in Moabit. Seine Mitstreiter, ein jüdischer Drucker und ein jüdischer Elektiker werden 1943 denunziert und verhaftet.
Dann fliegt auch er selbst auf. Mit einem aktuellen Foto wird reichsweit nach ihm gefahndet. Da entschließt er sich zur Flucht. Mit selbst gefälschtem Wehrpass und einem ebenfalls fingierten Urlaubsschein schafft er es zunächst nach Württemberg und anschließend mit einem Fahrrad über die grüne Grenze in die Schweiz. Dort kann er seine Berufsausbildung beenden und anschließend studieren. Er stirbt im Jahr 2015.

Kommentar
Das Attentat vom 20. Juli 1944 ist die bekannteste, nicht aber die einzige Aktion des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur die leider fehlgeschlagene Operation Walküre kennen. Die stillen Helden wie Cioma Schönhaus haben ein ebenso ehrendes Andenken verdient.
Ihr Einsatz kann aber nichts an der geschichtlichen Wahrheit ändern, dass es in Deutschland praktisch keine Solidarität mit den Opfern angesichts ihrer Benachteiligung, Vertreibung und Vernichtung gab. Enteignung, Zwangsarbeit und Deportation geschahen unter den Augen und mit stillschweigender Duldung der Zivilgesellschaft.

An Cioma Schönhaus‚ Arbeit im Widerstand ist bemerkenswert:
– Wie Schönhaus haben es alle Silent Heroes nach den Krieg abgelehnt, als Helden geehrt zu werden. Für sie ging es einfach darum, das Gute zu tun.
– In seinem WDR-Interview (s. unten) beschreibt Schönhaus, wie sich sein Engagement an Werten seiner Mutter orientierte, die auch heute noch aktuell und vorbildlich sind.
– Bei Nachgeborenen kann der Eindruck entstehen, dass Schönhaus seine Arbeit im Widerstand mit einer Portion Abenteuerlust und auch ein wenig Leichtsinn verband. Das darf aber nicht den Blick auf die Risiken und Entbehrungen des Lebens im Untergrund verstellen.

Zum Weiterlesen
– Gedenkstätte Stille Helden in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Staufenbergstraße 13-14, Berlin, https://www.gedenkstaette-stille-helden.de/gedenkstaette/
– Gedenkstätte Stille Helden, Widerstand gegen die Judenverfolgung 1933 bis 1945, Katalog zur Dauerausstellung. Dort finden sich auch Bilder und Dokumente.
– Kurzbiografie von Cioma Schönhaus auf der Seite der Gedenkstätte des deutschen Widerstands: https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/samson-cioma-schoenhaus/?no_cache=1
– WDR-Interview mit Cioma Schönhaus (2012): https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/erlebtegeschichten/schoenhauscioma100.html
– Cioma Schönhaus, Der Passfälscher. Die unglaubliche Geschichte eines jungen Grafikers, der im Untergrund gegen die Nazis kämpfte, Frankfurt 2004
https://de.wikipedia.org/wiki/Cioma_Schönhaus

Gedenkstätte Stille Helden in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin