Frauen und Männer, die erschrecken. Der König, dessen Königreich nicht endet. Die Engel, die gegen Angst und Gewalt reden. Was mir an Weihnachten wichtig ist.

Gerrit van Honthorst (1592-1656), Anbetung der Hirten (1622)

Das Weihnachtsfest ist wichtig. Keine Frage. Sehr vielen Menschen mit unterschiedlicher religiöser Orientierung würde Wertvolles fehlen, gäbe es Weihnachten nicht. Aber ist das Weihnachtsfest auch theologisch wichtig? Immerhin wissen wir fast nichts über die Geburt Jesu und wie sie in den ersten Jahrhunderten gefeiert wurde. Die biblischen Autoren Paulus, Markus und Johannes halten sie nicht einmal für besonders erwähnenswert.

Jeder kennt doch Weihnachten. Wirklich?
Sicher ist niemandem das Weihnachtsfest unbekannt. Doch wie weit reichen die Kenntnisse, wie tief die Einsichten? Ein kleiner Selbsttest gibt Aufschluss. Wer die folgenden Fragen richtig beantworten kann, der kann wahrscheinlich mit Recht von sich behaupten, dass er alles Wichtige über Weihnachten weiß.
1. Lückenwörter: „Der Engel sprach zu den Hirten: Euch ist heute der … geboren, welcher ist …, der … in der Stadt … . Wie heißen die vier Lückenwörter?
2. Weihnachtslied: Martin Luther dichtete 1535 sein berühmtes „Vom Himmel hoch“. Wie lauten die ersten drei Strophen?
3. Rot, grün oder golden? Welche liturgische Farbe hat das Weihnachtsfest?
4. Feiertage: Welche vier Feiertage gehören zur Weihnachtszeit, und an welchen Tagen werden sie gefeiert?
5. Buchstabenrätsel: In den ersten Tagen des neuen Jahres schreiben die Sternsinger Kreidezeichnungen an die Haustüren. Die drei Buchstaben C, M und B werden dabei als Abkürzung der Vornamen der Könige gedeutet. Doch in Wahrheit sind sie ein lateinischer Segensspruch aus drei Wörtern. Wie lautet er?

Antworten am Ende dieses Artikels

Stall, Sternsinger und die hohe Stirn des Josef
Mit der Geburt Jesu assoziieren wir drei Könige auf Kamelen, eine nächtliche Herbergssuche, Ochse und Esel in einem Stall und einen glatzköpfigen Josef. Aber die Magier aus dem Morgenland haben bei Matthäus keine Namen, dass es drei gewesen seien, kann man nur aus der Anzahl der Geschenke schließen. Dass sie Könige gewesen seien, ist eine spätere Tradition, ebenso, dass einer von ihnen schwarz gewesen sei.
Viele dieser volkstümlichen Modifikationen stammen aus dem Mittelalter. Kunst, Liedgut und Krippenspiele schöpfen aus ihrem Reichtum. Niemand sollte dagegen polemisieren. Die Zeiten, in denen in aufklärerischer Absicht versuchte wurde, die biblischen Weihnachtsgeschichten von Herbergssuche, Lämmern und Königen zu befreien, sind hoffentlich vorbei. Und doch ist es lohnenswert, sich den Originalen, also den biblischen Erzählungen bei Lukas und Mätthäus zu nähern. In ihnen verbergen sich Schätze, die gehoben werden können. Dass sie keine historischen Berichte sind, tut dem keinen Abbruch. Matthäus und Lukas verfassten theologische Erzählungen Wie gute Literatur formulierten sie jeden Satz sorgfältig.

Frauen und Männer erschrecken. Der König, dessen Königreich nicht endet. Engel, die gegen Angst und Gewalt reden. Was mir an Weihnachten wichtig ist.
Im Matthäusevangelium fragen die Sterndeuter, wo der neugeborene König der Juden geboren sei (Mt 2,2). „Herodes aber erschrak (Mt 2,3)“. Und Maria, die sich in Lk 1,29 über den ungewöhnlichen Gruß des Engels wundert und ebenfalls erschrickt, hört die Worte des Engels: Ihr Sohn werde ein König über das Haus Israel sein, und sein Königreich werde kein Ende haben (Lk 1,33). Denn welch ein seltsamer König ist das? Er kommt nicht in einem Schloss zur Welt, sondern in einer Herberge. Er trägt keine kostbaren Gewänder, sondern ist in Windeln gewickelt (Lk 2,7) und reitet auf einem Esel (Mk 11,7).
Und die Engel. Nie sind so viele Engel unterwegs wie in den Tagen der Geburt Jesu. Sie erscheinen der Maria, dem Josef, den Sterndeutern und den Hirten. Sie verkündigen den Anbruch einer neuen Zeit, in der endlich Gott die Ehre gegeben wird, Schalom auf der Erde aufkeimen soll und Menschen andere Wege gehen, als sie geplant hatten. Wenn die Engel wieder gegangen sind, ist oft alles anders. Josef verlässt seine schwangere Maria nicht, obwohl er es vorhatte. Die Sterndeuter gehen nicht über Jerusalem in ihre Heimat, und die junge Familie steht in der Nacht auf und reist nach Ägypten. Wo Engel auftreten, handeln Menschen, aber Gott hat seine Hand im Spiel.

Noch ein Wort zum Religionsunterricht
Wenn es stimmt, dass Jugendliche kaum noch ein klassisches Weihnachtslied auswendig können, wenn sich in vielen Haushalten außer einem guten Essen und einem mehr oder weniger geschmackvoll geschmückten Tannenbaum kaum noch Weihnachtliches ereignet, dann reicht es nicht, diesen Zustand zu beklagen. Dann muss der Unterricht auch weihnachtliche Primärerfahrungen ermöglichen. In diesem Zusammenhang spielen Rituale, Musik, die Gestaltung des Klassenzimmers, Andachten und Schulgottesdienste eine wichtige Rolle.

Lösungen:
1. Lückenwörter: Die vier Lückenwörter heißen: Heiland (Retter), Christus (Messias), Herr, Davids
2. Weihnachtslied: Die drei Strophen lauten:
Vom Himmel hoch, da komm ich her. / Ich bring‘ euch gute neue Mär, / der guten Mär bring ich so viel, / davon ich sing und sagen will.
Euch ist ein Kindlein heut‘ geborn / von einer Jungfrau auserkorn, / ein Kindelein, so zart und fein, / das soll eu’r Freud und Wonne sein.
Es ist der Herr Christ, unser Gott. / Der will euch führn aus aller Not. / Er will eu’r Heiland selber sein, / von allen Sünden machen rein.

3. Rot, grün oder golden? Die liturgische Farbe des Weihnachtsfestes ist weiß
4. Feiertage: Die vier Feiertage und ihre Daten: 24. Dezember: Heilig Abend, 25. Dezember: Weihnachten, 26. Dezember: 2. Weihnachtfeiertag, 06. Januar: Epiphanias, Dreikönigstag oder Hl. Drei Könige
5. Buchstabenrätsel: Der Segenspruch lautet: Christus Mansiomem Benedicat. Christus segne [dieses] Haus.