Will Gott, dass wir an ihn glauben? Die Gottesfrage und die Bielefeld-Verschwörung

Ich war noch nie in Bielefeld. Ich habe dort weder Bekannte noch Verwandte. Die Bielefeld-Verschwörung braucht mich nicht zu interessieren. Ob es die nordrhein-westfälische Stadt gibt oder nicht, ist für mich nicht von Bedeutung.

Für Menschen, die dort wohnen, zur Schule oder zur Arbeit gehen, ist das anders. Für sie ist die Existenz der westfälischen Stadt eine Lebensfrage. Sie wollen, dass alle an die Existenz ihrer Stadt „glauben“. Wie reagieren sie auf die 25 Jahre alte Bielfeld-Verschwörung? Vielleicht so wie ihre Stadtverwaltung: mit Humor und einer Gegensatire.

Bielefeld gibt es. Gibt es Gott? Wenn es ihn „gibt“, wird er zur Kenntnis nehmen, dass Menschen seine Existenz in Abrede stellen. (Wenn es ihn nicht „gibt“, dann will er auch nicht, dass wir an ihn glauben. Denn ein nicht existentes Wesen kann keinen Willen äußern.)

Doch damit haben wir nun schwankenden Boden betreten. Denn die Existenz einer 300.000-Einwohner-Stadt und die „Existenz“ Gottes sind semantisch und philosophisch unterschiedliche Dinge. Auch theologisch gebildete und in religiöser Sprache geübte Menschen sind Lernende in der Gottesfrage. Theolog*innen und Relligionspädagog*innen organisieren zwar das theologische Gespräch über Gott in Unterricht, Predigt und Alltag. Sie können helfen, die richtigen Fragen zu stellen. Aber ihre individuellen Antworten sind (sehr wahrscheinlich!) unvollkommen.

Das ist mit Bielefeld anders. Eine Zugfahrkarte, die sich ohne Schwierigkeiten lösen lässt, schafft Klarheit. Hinfahren, Augen und Ohren aufmachen – und die „Bielefeldfrage“ lässt sich beantworten. Übrigens werden alle zum gleichen Ergebnis kommen, und zwar auch dann, wenn die Einsicht in die diesbezügliche Wahrheit – wie bei mir – nicht lebensrelevant ist.

Die Antworten auf die Gottesfrage hingegen sind individueller und müssen sich immer wieder einem Diskurs stellen. Darin ist aber kein Mangel zu sehen. Ein Mensch, der Antworten auf die Gottesfrage abwägt und erprobt, ist auch offen für einen Dialog, für Anfragen, für Argumente und Zweifel anderer. Vorläufigkeit ist eine Steilvorlage für die Suche nach Wahrheit. Schade ist es allein, wenn Menschen über die Gottesfrage gar nicht erst beginnen nachzudenken, weil alle Antworten vorläufig bleiben müssen.

Meinen persönlichen Antwortversuch will ich deshalb gern geben. Damit allerdings begebe ich mich endgültig auf die Ebene des Glaubens und Bekennens. Will Gott, dass wir glauben, dass es ihn gibt? Ich kann es mir nicht vorstellen. Für mich ist Gott verborgen und „nur“ im Modus der Erfahrung und der Deutung von Lebensereignissen, insbesondere im Rückblick, existent. Aber das ist tatsächlich eine relevante Lebensfrage für meine Zukunft.

Wie reagiert Gott auf Menschen, die sagen, dass es ihn nicht gibt? Wir wissen es nicht und können nur spekulieren: Mit Achselzucken? Mit Traurigkeit? Mit Humor – wie die in Bielefeld?