Die Propheten von heute sind jung, mutig — und weiblich. Ihre Botschaft: Ändert euch!

Greta Thunberg (16) erinnert die Welt daran, dass wir nur noch wenig Zeit haben, eine zivilisatorische Katastrophe abzuwenden. Die Schwedin setzt sich für eine Klimapolitik ein, die vor den Einsichten der Wissenschaft nicht länger die Augen verschließt. Ihre Kritik daran ist so herausfordernd, dass anlässlicher ihrer klimaneutralen Segelreise nach Amerika überall auf der Welt nach Haaren in der Suppe gesucht wird. Es mag entlastend für Vielflieger sein, dass auch Greta nicht alle klimaschädlichen Folgen einer Fernreise vermeiden kann, doch das ändert nichts an ihrer Mahnung: Ändert euch! Ihr Mut, ihre Entschlossenheit und ihre Konsequenz suchen unter Erwachsenen ihresgleichen. Nach ihrem Vorbild organisieren auch in anderen Ländern zahlreiche „Fridays for Future“-Aktivist*innen, mehrheitlich junge Menschen, Schulstreiks und Kundgebungen.

Carola Rackete (31) legte mit ihrem Rettungschiff Sea Watch 3 im Hafen von Lampedusa an. Der italienische Innenminister tobte, hatte er ihr doch bei Strafandrohung untersagt, die 40 Geretteten an Land zu bringen. Und klar: jedermann und jedefrau konnte nun sehen, wie inhuman die italienische Flüchtlingspolitik zurzeit ist. Matteo Salvini geriet in die Defensive und wusste sich nur durch Polemik, Verdrehung und Lügen zu wehren. Der Mut der jungen Kapitänin erinnert mich an den Propheten Elia, der einst König Ahab ins Angesicht sagte: Du hast Unrecht getan.

Malala Yousafzai überlebte 15-jährig schwer verletzt ein Attentat auf dem Schulweg. Ein fanatischer Taliban schoss auf sie, mehrere ihrer Mitschülerinnnen wurden ebenfalls verletzt. Malala setzte sich unbeirrt für Kinderrechte und für die Bildung von Mädchen in Pakistan ein. Mit 17 Jahren erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Yeonmi Park gelang mit 14 Jahren zusammen mit ihren Eltern die Flucht aus Nordkorea. Auf dem Young One World Gipfel 2014 in Dublin erzählte die inzwischen 21-jährige ihre Geschichte. Schade, dass Donald Trump ihr nicht zuhörte. (Es hätte aber wohl nichts geändert, siehe weiter unten)

Nadia Murad durchlebte zusammen mit unzähligen Frauen und Kindern das Grauen des IS-Terrors. Nach ihrer Flucht beschloss sie, nicht länger zu schweigen. Ihrem Mut ist es zu verdanken, dass die internationale Öffentlichkeit auf das Schicksal der Jesidinnen aufmerksam wurde. Mit 25 Jahren erhielt sie ebenfalls den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe.

Emma Gonzalez (19), Überlebende des Schulmassakers von Parkland kämpft seit letztem Jahr für etwas Selbstverständliches: schärfere Waffengesetze in den USA, damit Kinder und Jugendliche nicht länger Opfer von Waffengewalt werden. Donald Trump hat ihr zwar zugehört, aber genutzt hat es nichts.

Fast alle diese jungen Frauen sind für ihren Einsatz auch kritisiert worden. Ihnen wurde Selbstdarstellung, Verfälschung, inkonsequentes Verhalten oder kommerzielles Interesse vorgeworfen. Einigen wurde unterstellt, sie würden von ehrgeizigen Eltern instrumentalisiert. Diese Verdächtigungen wollen Zweifel säen. Man kann sich als Betroffene nur schwer gegen sie wehren.

Doch die oft namenlosen Kritiker müssen sich fragen lassen: Welche der Forderungen dieser Aktivistinnen ist ungerecht, inhuman oder unerheblich?

Keine.

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