15. August: Mariä Himmelfahrt, Ferragosto und hl. Napoléon. Nanu? War der französische Kaiser ein Heiliger?

Gewiss nicht. Und doch wurde im 19. Jahrhundert in Frankreich der Namenstag des Heiligen Napoleon gefeiert. Wie kommt das?

Der 15. August war zu Zeiten des Römischen Reiches ein Feiertag zur Erinnerung an den Sieg des Augustus über Marcus Antonius und dessen Geliebte Kleopatra. Noch heute erinnert der italienische Name dieses Tages Ferragosto (lateinisch: Feriae Augusti, „Feiertage des Augustus“) an diese Entstehungsgeschichte. Ferragosto ist bis heute der Höhepunkt der italienischen Urlaubssaison. Nie ist Italien kreativer, nie aber auch teurer als in der Woche um Ferragosto.

Seit dem 5. Jahrhundert wird der Tag als Fest der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel gefeiert (Mariä Himmelfahrt). Für dieses Fest gibt es keinen biblischen Hintergrund, weshalb der Tag nur in katholischen Ländern arbeitsfrei ist. Erst im Jahre 1950 wurde die sog. Entschlafung Mariens (Dormitio Mariae) von Papst Pius XII. zum Dogma erklärt.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert bekam der Tag im napoleonischen Kaiserreich als Namenstag des Heiligen Napoleon eine neue Bedeutung. In einem Dekret vom 19. Februar 1806 legte der Kaiser fest, dass der 15. August künftig als Staatsfeiertag begangen werden sollte. Er wollte so den noch jungen Gedenktag der Revolution (14. Juli) durch einen neuen nationalen Feiertag am 15. August ersetzen. An diesem Tag sollte mit Gottesdiensten und Prozessionen der „Wiederherstellung der Kirche in Frankreich“ und des Hl. Napoleon gedacht werden. Es gab aber zwei Probleme:

Die Unterzeichung des Konkordats zwischen Frankreich und den Hl. Stuhl hatte am 15. Juli 1801 und nicht am 15. August stattgefunden. Und: Einen Hl. Napoleon gab es gar nicht. Doch wo ein Wille ist, ist ein auch Weg. Ein findiger Kardinal entdeckte in einem alten römischen Märtyrerverzeichnis einen gewissen Neopolus, der um das Jahr 300 unter Kaiser Diokletian in Ägypten sein Leben für seine religiöse Überzeugung gelassen hatte. Seine historische Existenz war zwar schon damals zweifelhaft und sein Namenstag war nicht der 15. August, sondern der 2. Mai. Doch der Kaiser wollte unbedingt diesen Termin, weil der 15. August sein Geburtstag war. Er jährt sich dieser Tage zum 250. Mal.

Und so begann das ganze autoritär regierte Kaiserreich, den Namenstag des in Le Saint Napoléon umbenannten Heiligen zu begehen. An dem neuen Staatsfeiertag wurde dem Kaiser quasi-religiös gehuldigt, ohne ihn selbst zu sakralisierten. Zu wessen Ehren aber das feierliche Te Deum aufgeführt wurde, das jährlich an diesem Tag in der Katedrale Notre Dame de Paris erklang, lässt sich also leicht erraten.

Quellen:
Adam Zamoyski, Napoleon. Ein Leben, K. H. Beck, 2018
https://fr.wikipedia.org/wiki/Saint-Napoléon
Werner Telesko, Napoleon Bonaparte: der „moderne Held“ und die bildende Kunst 1799-1815, Wien 1998





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