Wer war Johannes Eck?

Johannes Eck, 1486-1543

Heute vor 500 Jahren endete in Leipzig eine Serie akademischer Streitgespräche, das als Leipziger Disputation in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Dort diskutierten unter den Augen des Landesherrn Herzog Georg und zahlreicher Theologen und Gelehrter die Wittenberger Professoren Martin Luther und Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, gegen den 32-jährigen, aber bereits hoch angesehenen Ingoldstadter Theologen Johannes Eck. Im Vordergrund der Disputation standen der Primat des Papstes und das Kirchenverständnis. Hier unterschieden sich Karlstadt und Luther deutlich von Eck.

Getagt wurde in der Pleißenburg. Sie stand dort, wo sich heute das Leipziger Neue Rathaus befindet, dessen Turm noch an die alte Burg erinnert. Obwohl der Disput durchaus persönlich und ohne Milde mit etwaigen Irrtümern des Gegners geführt wurde, war es doch ein wissenschaftlicher Wettstreit um die Wahrheit.

An jedem Werktag wurde diskutiert. War der gelehrte Schlagabtausch wegen eines Feiertags unterbrochen, wurde die Auseinandersetzung im Gottesdienst fortgesetzt. Die Kontrahenten hielten kontroverse Predigten in den überfüllten Leipziger Kirchen, freilich nur vor ihren Parteigängern.

Johannes Eck beschreibt in einem Brief an seine Professorenkollegen in Ingoldstadt Franz Burkhard und Georg Hauer, dass die Wittenberger mit großem Gefolge angereist waren. Professoren, Studenten, Stadträte und Sympatisanten waren gekommen, um Luther und Karlstadt zu unterstützen. Eck stellte in ebendiesem Brief Karlstadt als überfordert dar, Luther hingegen als Ungeheuer mit ketzerischen Ansichten, der Professoren anderer Universitäten als Schiedrichter des Streitgesprächs eigensinnig ablehnte.

Der genannte Brief Ecks enthält übrigens einiges Privates. Der Professor schilderte, dass ihm das Starkbier auf der Hinreise nicht bekommen sei. In Sachsen hingegen sei der Gerstensaft ungenießbar gewesen, weshalb er sechs Tage überhaupt kein Bier getrunken habe. Die Stadt gefalle ihm ansonsten sehr. Ein besonderes Auge aber hatte er auf die „Venereae Veneres“ geworfen, die Leipziger Mädchen oder Prostituerten.

Auf geheimnisvollen Wegen wurde dieser Brief übrigens schon bald der Gegenseite zugespielt. Luther selbst bekam ihn zu lesen und reagierte polemisch. Die beiden Gelehrten, die sich zunächst wechselseitig geschätzt hatten, waren Feinde geworden.