Leonardo und sein vitruvianischer Mensch

Leonardo da Vinci, dessen Todestag sich dieser Tage zum 500. Mal jährt, überprüfte die These des antiken Architekten und Schriftstellers Vitruvius Pollo. Der hatte im 1. Jahrhundert vor Christus behauptet, das das „Klafter“, also das Längenmaß, das eine erwachsene Person mit ausgestreckten Armen greifen kann, genau seiner Körpergröße entspricht. Eine Illustration dieser Theorie enthielt sein Buch aber nicht. Leonardo zeichnete einen männlichen Erwachsenen in das Zentrum eines Quadrates und eines Kreises und wies so nach, dass die von Vitruv behaupteten Proportionen zutreffen. Was allerdings auffällt: Kreis und Quadrat haben unterschiedliche Größe: Der Schnittpunkt der Diagonalen des Quadrats liegt im Genitalbereich, der Mittelpunkt des Kreises beim Bauchnabel.

Leonardos weltberühmte Skizze von 1492 ist heute eines der bekanntesten Werke des Malers, Bildhauers, Philosophen und Ingenieurs. Es steht auch für die Anthropozentrik der Renaissance, die den Menschen zum Maß der Dinge macht. Auf der italienischen 1 Euro Münze und der deutschen Krankenkassenkarte hat seine Studie millionenfache Verbreitung gefunden.

Am 2. Mai 1519 starb das italienische Universalgenie in einem Schloss im französichen Amboise, wo er dank der Großzügigkeit des Königs seinen Lebensabend in Würde verbringen konnte.