Gioachino Rossini, Petite Messe Solennelle

RossiniDie „kleine feierliche Messe“ ist die letzte bedeutende Komposition des großen Opernkomponisten, dessen 150. Todestag wir in diesem Jahr begehen. Ironisch nannte er sie „meine arme kleine Messe“. In Wahrheit handelt es sich um ein großartiges Werk, das an die Opern erinnert, die der junge Rossini so unvergleichlich komponiert hatte.

Für die Uraufführung hatte Rossini neben den 4 Soli nur 8 Chorsänger vorgesehen. Die zusammen 12 Sänger verleiteten ihn zu einer Analogie: Hatte nicht Leonardo das letzte Abendmahl mit 12 Jüngern gemalt? Und war nicht einer der Verräter? „Du kannst beruhigt sein, lieber Gott“, schrieb Rossini, „unter meinen Jüngern wird keiner einen falschen Ton anschlagen. Jeder wird zu deinem Lob singen.“

Als Rossini sich im Jahr 1863 an die Komposition machte, lag die Uraufführung seiner letzten Oper über 30 Jahre zurück. Als junger Mann hatte er Opern für das Theater San Carlo in Neapel, für das Opernhaus in Rom und die Mailänder Scala geschrieben. In London, Wien und Paris lag man ihm zu Füßen. Wer die Ouvertüre der Oper La Gazza Ladra, Die diebische Elster kennt, kann noch heute nachvollziehen, dass seine Melodien auch beim Friseur, in den Kaffeebars und – wenn es das damals schon gegeben hätte –in den Fußballstadien gesungen wurden oder worden wären.

Schon mit 37 Jahren hörte er auf, Opern zu schreiben und lebte fortan von seinem Ruhm. Er komponierte nun nur noch wenig. Die Petite Messe Solennelle ist eine der wenigen Kompositionen seiner zweiten Lebenshälfte und zugleich seine letzte große Arbeit. Er nannte sie ironisch seine „letzte altersbedingte Todsünde, die ihm der Herrgott hoffentlich verzeihen möge“.

Die Messe ist ein Auftragswerk für den Grafen Alexis Pillet-Will und seine Frau Gräfin Louise anlässlich der Einweihung ihrer neuen Privatkapelle in Paris. Die Uraufführung war einem illustren Kreis vorbehalten. Eine zweite Aufführung an gleicher Stelle hingegen war öffentlich. Auch Komponistenkollegen waren anwesend. Sie konnten sich überzeugen, dass es der alte Rossini noch draufhatte. Opern konnte er. Das wussten sie schon. Jetzt hörten sie: Er kann auch Messen.

Als der große Komponist 76-jährig starb, wurden seine sterblichen Überreste in die Kirche Santa Croce in Florenz überführt. Dort ruht er bis heute in der Gesellschaft von Niccolò Macchiavelli, Michelangelo Buonarroti und Galileo Galilei. Hätte er geahnt, welches seine letzte Ruhstätte sein würde, er hätte das sicher humorvoll kommentiert. Jedenfalls widmete er seine Messe nicht nur der Gräfin Louise, sondern auch dem Herrgott selbst. Auf das Autograf der Messe schrieb er: „Guter Gott, hier ist sie, meine arme kleine Messe. Habe ich nun Musica sacra (geistliche Musik) oder musica maledetta (vermaledeite Musik) geschrieben? Ich bin geboren für die komische Oper, das weißt du ja nur zu gut. Ein bisschen Können und ein kleines Herz, das ist alles, was ich habe. Sei also gepriesen und gib mir ein Plätzchen im Paradies.“

Hoffen und wünschen wir ihm, dass Gott genauso viel Humor hat wie der Komponist dieses kleinen großen Werkes.

Advertisements